Sigmar Polke
Photographs (1964-1990)

28. Juni – 28. Aug. 2021
Sies + Höke, Düsseldorf

Copyright ©The Estate of Sigmar Polke, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Photo Simon Vogel
Copyright ©The Estate of Sigmar Polke, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Photo Simon Vogel
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Copyright ©The Estate of Sigmar Polke, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Photo Simon Vogel
Copyright ©The Estate of Sigmar Polke, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Photo Simon Vogel
Copyright ©The Estate of Sigmar Polke, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Photo Simon Vogel
Copyright ©The Estate of Sigmar Polke, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Photo Simon Vogel

Der Titel verrät es schon, die Ausstellung gibt einen Einblick in Polkes Kosmos als Fotograf. Gleichzeitig ist sie eine Hommage an die erste museale Retrospektive der Fotografie von Sigmar Polke in den USA – die Ausstellungstournee »When Pictures Vanish« – die Paul Schimmel Ende der 1990er-Jahre organisierte und natürlich auch eine Würdigung des Künstlers selbst, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte.

Mitte der 1960er-Jahre, als Polke noch mit seiner Familie in der Kirchfeldstraße in Düsseldorf in einer kleinen Wohnung lebte, begann der Künstler mit seinem Fotoapparat zu experimentieren: er inszenierte seine Motive mit Alltagsgegenständen, wie Becher, Teekannen und Gurken; aber auch die ersten Selbstbildnisse gehören in diese Zeit, wie beispielsweise das Selbstportrait mit Schnüren, das am linken Bildrand eine Kamera erkennen lässt. Sie gehört Christof Kohlhöfer, der hier gerade Szenen für den Film »Der ganze Körper fühlt sich leicht und möchte fliegen« (1969) drehte, in dem Sigmar Polke sich selbst spielte. Zu Beginn der 1970er-Jahre ändert sich Polkes Bildsprache. Er beginnt zu reisen und unternimmt seine ersten Ausflüge nach Paris – die Fotografien erzählen von einer flirrenden Welt, von romantischen Streifzügen durch die französische Hauptstadt, zeigen aber auch wilde Motive eines rauschenden Lebens. Diese Serie ist eine Art Liebeserklärung, an die Stadt, vor allem aber auch an seine damalige Freundin Mariette Althaus. In der Dunkelkammer werden seine Experimente virtuoser – Mehrfachbelichtungen, Überblendungen, unterbrochene Entwicklungsprozesse aber auch Zufälle kennzeichnen diese Zeit der »Polkography«, deren Ergebnisse nicht selten auch dem Einfluss von LSD zu verdanken sind. Ein ganz anderes Abenteuer stellt die Reise in den fernen Orient dar – nach Quetta, einer Stadt im Westen Pakistans. Im Rausch des Opiums beginnt die Luft zwischen den abgebildeten Männern regelrecht zu flirren und die Arabeske an der Wand zu »tanzen«. Polke fängt nicht nur intime, gemeinschaftliche Momente ein, er erweitert sie später, indem er die Abzüge farbig, in teils leuchtenden Farben übermalt und so die übersinnliche Atmosphäre für den Betrachter regelrecht erlebbar werden lässt. Die Abstraktion und die alchemistischen Experimente treten Ende der 1980er-Jahre in den Fokus, das Motiv spielt nicht unbedingt eine Hauptrolle und die Bildinhalte reduzieren sich. An ihre Stelle tritt die »Polkochemie«, deren Höhepunkt die Serie »Ohne Titel (Blau, Violett, Grün)« ist – besser bekannt als Uran-Fotos. Der Prozess der Entwicklung und Bearbeitung der Abzüge in der Dunkelkammer steht bei seinen fotografischen Arbeiten im Zentrum: Jede Fotografie ist ein Unikat. Deutlich wird dies auch bei der Serie »Pavillon Venedig Biennale«, die er während seiner damaligen Teilnahme 1986 im deutschen Pavillon schoss. Sein großes Interesse an chemischen Vorgängen, für die seine Malerei berühmt geworden ist, hat seinen Vorlauf nicht selten in der Fotografie erfahren.

In der Ausstellung werden 50 Werke gezeigt – angefangen mit den frühen Alltagsinszenierungen, über komplexe fotografische Manipulationen und Übermalungen, welche die »Polkographie« kennzeichnen, bis hin zu den späteren alchemistisch-experimentellen Abstraktionen, der »Polkochemie«. Zu den Highlights der Ausstellung gehört die 10-teilige Arbeit »Übermalung eines Bildes – Winterlandschaft«, eine Sequenz, die den Facettenreichtum seiner Fotografie deutlich macht.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Text von Prof. Siegfried Gohr. In einer zweiten Station wird die Ausstellung im Frühjahr 2022 in der Galerie Kicken Berlin zu sehen sein.

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