Peppi Bottrop
Emit Remmus. Fire Walk with Me

15. Okt. – 6. Nov. 2026
Sies + Höke, Düsseldorf

Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies

Bei Peppi Bottrop bleibt vieles in Bewegung. In die Kupferoberfläche eingeritzt, geschoben und gekratzt, verdichten sich Kreise, Zirkel und zeichnerische Gesten zu Bewegungen von körperlicher Intensität. Jede Linie wirkt wie der Niederschlag eines Kraftaufwands. Dazu treten Skulpturen mit Totenköpfen als stille Gegenbilder.

Emit Remmus. Fire Walk with Me trägt die Spuren verschiedener Landschaften in sich. Bottrops Herkunft aus dem Ruhrgebiet klingt in den industriellen Materialien und den rostigen, metallischen Oberflächen nach. Aber was früher an Kohle, Stahl und die Strukturkrise der Industriegesellschaft erinnerte, verschiebt sich nun in die amerikanische Bildwelt: nach Los Angeles, in die Stadt des Öls, der Automobile und des Versprechens von Bewegung und Freiheit. Das glänzende Kupfer wirkt dabei zugleich kostbar und verbraucht. Beinahe kann man das schmierige Motorenöl unter der Oberfläche und auf den gelblich eingefärbten Leinwänden riechen. Drähte, rostige Schrauben, Öl und Feuer: Bei Bottrop verbindet sich eine urbane Do-it-yourself-Ästhetik, wie aus einem kalifornischen Hinterhof, mit den Spuren industrieller Arbeit.

Der Titel der Serie ist eine direkte Referenz an David Lynchs Kultfilm Twin Peaks: Fire Walk with Me. In Lynchs rätselhafter Kleinstadtwelt liegt hinter der amerikanischen Idylle das Unheimliche und Verborgene. Auch Bottrops Arbeiten leben von diesem Hang zum Absurden. Seine Skulpturen erscheinen wie skurrile Readymades aus der Ikonografie des Wilden Westens: leuchtende Rinderschädel, verwelkte Blumen und rostige Schaufeln — Relikte einer amerikanischen Mythologie. Zwischen Totempfahl und schwarzhumorigem Memento mori werden sie zu Zeugnissen einer Welt, in der sich Natur, Mythos und Verfall überlagern. Der amerikanische Traum und seine materiellen Rückstände stehen nah beieinander.

Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies

Dem setzt der Künstler in seinen Leinwänden und Kupferplatten eine unmittelbare Vitalität entgegen. Ihre Dynamik scheint die Spannung menschlicher Anstrengung in sich zu bergen. Stellenweise meint man, angedeutete Figuren zu erkennen, als würden sie aus der Tiefe hervordringen, angetrieben von einer unsichtbaren Zündung. Die in die Kupferoberfläche eingeritzten Zeichnungen wirken wie Erinnerungen, die sich tief in ein Leben einschreiben. Immer wieder setzen sie an, verdichten sich, brechen aus und formieren sich neu. Andernorts lösen sie sich in sanftere, malerische Gesten auf, die sich wie in einem langen Ausatmen über die Oberflächen ziehen. Hier deutet sich etwas wie Entspannung an – eine Ruhe, die nicht aus Kontrolle, sondern aus Akzeptanz entsteht.

Fire Walk with Me liest sich hier weniger als Aufruf zur Überwindung denn als Einladung zur Annahme. Und dann ist da noch Emit Remmus — „Summer Time“ rückwärts gelesen. Ein Hauch von Nostalgie, wenn auch verkehrt. Der Weg ist eben nicht geradlinig, ebenso wenig wie Form und Inhalt in Peppi Bottrops Arbeiten selbst. Umwege erwünscht, scheinen sie zu rufen. Nicht geradeaus also — sondern zurück, vor, im Kreis und immer wieder von Neuem.

Emit Remmus. Fire Walk with Me ist Peppi Bottrops dritte Einzelausstellung bei Sies + Höke.

Text von Anneli Botz

Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
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Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
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Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
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Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
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About Peppi Bottrop

Peppi Bottrop (*1986) formulates a distinctive visual language that shifts between constructivism and deconstructivism, between figuration and abstraction.

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