Magdalena Frauenberg
VideoKunstNächte 2024 / 2025

Dec 14th, 2024 – Mar 2nd, 2025
Kunsthalle Recklinghausen, Recklinghausen

Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf

Magdalena Frauenberg (*1996) präsentiert in ihrem knapp drei minütigem Loop einer 8mm-Filmarbeit, die auf Video übertragen wurde, in fotografisch-verkehrten Negativ-Bildern eine kostümierte Figur in Bewegung. Anfangs erscheint sie in einer Totalen, später in Nahaufnahmen mit Tracht, die vom Kamera-Auge abgetastet wird. Ein großer Kopfschmuck mit federartigen Applikationen und langen Bändern weht im Wind. Funkelnde Elemente reflektieren das Sonnenlicht und bilden in der chromatische Negativ-Verkherung schwarze Blitze und Sterne auf dem Filmmaterial. Ungefähr zur Mitte der Arbeit erscheint erstmals eine Berglandschaft im Hintergrund, die sich in der Schlussszene klarer mit Wiesen und Gräsern hinter der Figur abzeichnet. Mit beiden Händen haltend, erscheint nun auch eine Gürtelschnalle mit Adlermotiv. Spätestens jetzt wird deutlich, dass es sich um eine Lederhosentracht handelt, mit der Frauenberg ihren Film auch beendet. Der wackelige Stil der Kameraführung und die scheinbar unmittelbaren Schnitte erinnern an eine Handkamera und zitieren im medialen Gewand die Filmaufnahmen ethnologisch-anthropologischer Dokumentarfilme, die oft von einer eurozentristischen Filmsprache geprägt sind. Doch auch Aby Warburg drängt sich als Assoziation auf, insbesondere eine Schwarz-Weiß-Fotografie, die ihn bei seiner Recherche zum Schlangenrituals der Hopi-Native Americans zeigt.

Ähnlich präsent ist der Schnurrbart und ähnlich unbedarft-amüsant scheint Frauenbergs Protagonist. Und hier liegt auch der große Unterschied und der Grund, warum Frauenbergs Arbeit sowohl formal als auch inhaltlich überzeugt: Das Sujet entspringt ihrem eigenen europäisch-alpinen Umfeld, also einer Material- und Brauchtumskultur, die sie selbst lange umgab. Frauenberg filmt also nicht eine abstrakte Form von „Otherness“, sondern verschiebt durch Medium und Form etwas ihr Vertrautes in eine scheinbar visuell-anthropologische Distanz. Interessant ist damit auch die Frage nach den Betrachtenden: Den mit alpinem Brauchtum Vertrauten bieten die kleidungsikonografischen Hinweise einen schnellen Zugang zum Sujet, anderen hingegen wohl kaum. In diesem produktiv-verwirrenden Zwischenraum tanzt also der Protagonist in einer chromatisch „verkehrten“ Welt.

Text: Dr. Nico Anklam/Kunsthalle Recklinghausen

Super-8-film, colour, digitised, 2'56''
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf

About Magdalena Frauenberg

Magdalena Frauenberg (b. 1996) is a multimedia artist, she lives and works in Düsseldorf.

Artworks

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