Dorota Jurczak

złotousty

Apr 3rd — May 11th, 2019
Sies + Höke, Düsseldorf

Dorota Jurczak 2019

Installation view
Courtesy the artist; Sies + Höke, Düsseldorf
Photographer Achim Kukulies, Düsseldorf

Location

Sies + Höke
Poststraße 2+3
Düsseldorf

Featured Artists

Press release - Please scroll down for German version

It is not easy to talk about Dorota Jurczak's art, since her paintings and sculptures do not - as is customary today - refer to current discourses or illustrate themes that society considers relevant. In fact, the works do not need an explanation, because they directly address the viewer and transfer them into another world. This does not mean that Jurczak's works are naive or primitive, much sooner they are literarily informed.

Jurczak is a legendary reader. When she read Marcel Proust's "In Search of Lost Time", she did so in an almost performative way, so focused that nothing else seemed to matter during her reading. For a few weeks she disappeared completely from the present and plunged into Monsieur Swann's world.

So it is not surprising that Jurczak's etchings reference fantastic literature. The whimsical and bizarre as well as a tendency towards escapism are essential features that connect her work with this literary genre. Hence, Jurczak finds herself within a certain tradition. For example, the artist Alfred Kubin authored not only his etchings but also the novel "The Other Side", which tells of a secret fantastic kingdom. Also worthy of mention are the books of Raymond Roussel which were worshiped and revered by the Surrealists and had a strong influence on Dorota Jurczak.

Many of her portraits and busts are titled "Denton" or "Alfred". With the appropriate background, one can complete the surnames Welch and Jarry and decode them as references to protagonists of world literature. Alfred Jarry's mustache haunts many faces in Jurczak's pictures. Literature, imagination and empathy are some of the most important sources from which the artist draws her images and figures.

In 2006, Jurczak was invited by Maurizio Cattelan to show her etchings at the 4th Berlin Biennale "Of Mice and Men". Since then, she has been considered one of the artists who rehabilitated the medium within contemporary art.

In her new series of etchings, which are shown for the first time at Sies + Höke, a general bedriddenness seems to predominate. Whether it is idlers or illness leaves them lying down remains unclear. Again Denton Welsh comes to mind, who wanted to be a painter and not a writer, and who was bedridden following an accident. Another depicted person sleeps and seems peaceful, seemingly a successful escape into the dream world.

In her pictures and etchings naturalistic heads melt into reduced basic forms; birds turn into drops, busts into cup-like monuments. It is like a reverse pareidism - the tendency to recognize faces in all sorts of everyday objects, such as sockets. One also thinks of Brancusi's reductions, or how Fatima Hellberg once wrote about Jurczak's work: "Jurczak's figuration indicates how much - or rather - how little it takes to evoke the mind and idiosyncrasy of a being."

Jurczak's imaginations pose the question of what art can and should do. Beyond discourses and theories, she presents art as something fantastic, as a place that is better, more beautiful, and more fabled than the digitized here and now.

Text by Abel Auer


German version

Über Dorota Jurczaks Kunst zu sprechen ist nicht einfach, da ihre Bilder und Skulpturen nicht - wie heutzutage üblich - auf aktuelle Diskurse Bezug nehmen oder Themen illustrieren, die von der Gesellschaft für relevant erachtet werden. Eigentlich brauchen die Werke auch keine Erklärung, da sie den Betrachter oder die Betrachterin direkt ansprechen und in eine andere Welt entführen. Das heißt aber nicht, dass Jurczaks Werke naiv oder primitiv wären, sie sind vielmehr literarisch informiert.

Jurczak ist eine legendäre Leserin. Als sie zum Beispiel Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ las, tat sie dies in einer fast performativen Art, so fokussiert, dass während der Lektüre in ihrem Leben nichts Anderes mehr von Bedeutung war. Für einige Wochen verschwand sie komplett aus der Gegenwart und tauchte in Monsieur Swanns Welt ein.

So überrascht es nicht, dass man in Jurczaks Radierungen eine starke Verwandtschaft zur Phantastischen Literatur findet. Das Skurrile und Bizarre wie auch eine Neigung zum Eskapismus sind Wesensmerkmale, die ihre Arbeiten mit dem Genre verbinden. Damit bewegt sie sich in einer bestimmten Tradition. So hat zum Beispiel der Künstler Alfred Kubin neben seinen Graphiken auch den Roman „Die andere Seite“ hervorgebracht, in dem es um ein geheimes Fantasiereich geht. Zu nennen sind auch die Bücher Raymond Roussels, die von den Surrealisten geradezu kultisch verehrt wurden und auch für Dorota Jurczak prägend waren.

Viele ihrer Portraits und Büsten tragen daher Titel wie „Denton“ oder „Alfred“. Mit dem entsprechenden Hintergrund kann man sich die Nachnamen Welch und Jarry dazu denken und als Verweise auf Protagonisten der Weltliteratur entschlüsseln. Alfred Jarrys Schnurrbart geistert entsprechend durch viele Gesichter in Jurczaks Bildern. Literatur, Phantasie und Empathie sind einige der wichtigsten Quellen, aus denen die Künstlerin ihre Bilder und Figuren schöpft.

2006 wurde Jurczak von Maurizio Cattelan eingeladen, ihre Radierungen auf der 4. Berlin Biennale „Of Mice and Men“ zu zeigen. Seitdem gilt sie als eine derjenigen Künstlerinnen, die das Medium in der Gegenwartskunst rehabilitiert hat.

In der neuen Serie von Radierungen, die in der Galerie Sies + Höke zum ersten Mal gezeigt werden, scheint eine allgemeine Bettlägerigkeit vorzuherrschen. Ob es Müßiggänger sind oder Krankheit sie darniederliegen lässt, bleibt unklar. Wieder wird an Denton Welsh erinnert, der eigentlich Maler und nicht Schriftsteller werden wollte, und der nach einem schweren Unfall ans Bett gefesselt war. Eine andere dargestellte Person schläft und wirkt dabei friedlich, scheinbar eine geglückte Flucht ins Traumreich.

In den Bildern und Radierungen verschmelzen die mehr oder weniger naturalistischen Köpfe zu reduzierten Grundformen; Vögel werden zu Tropfen, Büsten zu pokalartigen Monumenten. Es ist wie bei einer umgekehrten Pareidolie: so bezeichnet man die Neigung, in allen möglichen Alltagsgegenständen - wie zum Beispiel Steckdosen - Gesichter zu erkennen. Man denkt auch an Brancusis Reduktionen oder wie Fatima Hellberg einmal über Jurczaks Arbeitsweise schrieb: „Jurczaks Figuration deutet an, wie viel - oder viel eher - wie wenig es braucht, um Geist und Idiosynkrasie eines Wesens heraufzubeschwören.“

Jurczaks Imaginationen stellen die Frage, was Kunst kann und soll. Jenseits von Diskursen und Theorien präsentiert sie Kunst als etwas Phantastisches, als einen Ort, der besser, schöner und sagenumwobener ist als das digitalisierte Hier und Jetzt.

Text Abel Auer


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