Claudia Wieser

#14 DOUBLE FEATURE

Oct 11th, 2019 — Jan 12th, 2020
G2 Kunsthalle, Leipzig

Wieser G2 Web 1

Installation view DOUBLE FATURE - Jochen Plogsties / Claudia Wieser, G2 Kunsthalle Leipzig, 11. Oktober 2019 - 12. Januar 2020
Courtesy the artists & G2 Kunsthalle; Sies + Höke, Düsseldorf
Photographer Dotgain.info

Location

G2 Kunsthalle
Leipzig

Featured Artists

#14 DOUBLE FEATURE Claudia Wieser | Jochen Plogsties


Ganz im Sinne eines Double Features entfalten sich die Arbeiten von Claudia Wieser und Jochen Plogsties in der G2 Kunsthalle zu einem visuellen Doppelprogramm mit inhaltlichen Parallelen. In zwei großen Ausstellungsräumen sind Wandinstallationen, Zeichnungen, Plastiken und Objekte Wiesers dialogisch den Gemälden von Plogsties gegenübergestellt. Gemeinsam ist ihnen ein grundlegendes Interesse an der Aneignung und Übersetzung von bestehendem Bildmaterial. Plogsties und Wieser verfolgen dabei unterschiedliche Strategien der Auseinandersetzung mit modularen Systemen, abstrakten Grundmustern und der Organi-sation von Kompositionen und Formen. Im Spannungsfeld des Raumes verbinden sich beide Pole kaleidoskopartig miteinander.

Wir laden Sie herzlich zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag, den 10. Oktober 2019 von 18 bis 21 Uhr in die G2 Kunsthalle ein!

In ihren ortsspezifischen Rauminstallationen setzt sich Claudia Wieser immer wieder neu mit der Integration von Architektur, Raum, Abstraktion und Bildkultur auseinander. Die Künstlerin arbeitet hierfür mit unterschiedlichen Medien von der Handzeichnung über die Skulptur bis zur Wandinstallation unter Einsatz vielfältiger, Materialien wie Tapisserie, Keramik, Spiegel, Kup-fer, Holz, Papier, Buntstift und Goldblatt. Die Polyphonie der Mittel erzeugt eine große Band-breite an geometrischen Formen und facettenreichen Texturen.

Funktionalität manifestiert sich in den Objekten der Künstlerin als narratives Moment, dem ein spielerisch-experimenteller Gebrauchs- und Architekturbezug zu Grunde liegt. Aus-gangspunkt für Entwürfe von Tapeten und Teppichen sind Schwarz-Weiß-Fotografien von Kunstwerken, Landschaften oder Gebäuden. Die gefliesten Säulen an den Wänden wieder-holen das Motiv der Betonstützen der G2 Kunsthalle. Sie bilden jedoch nicht einfach das Raumgefüge nach, sie verändern und restrukturieren die Architektur. Zylindrische, kegelartige, kugelige und prismenähnliche Skulpturen fungieren als Figurinen oder Staffage. Durch das Prinzip der Wiederholung von Motiven, Farben und Stoffen entwickelt Wieser ein modulares System ihrer Formensprache. Die Fertigung ihrer Werke ist manuell-handwerklich unter Ausnutzung digitaler sowie industrieller Herstellungsmethoden. Die Art der künstlerischen Verarbeitung, die Reduktion auf wesentliche Formelemente und der Fokus auf das räumliche Gesamtgefüge mit einem medienübergreifenden Ansatz stehen der ganzheitlichen Kunstidee der Werkschulen zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Bauhaus) nahe.

Kennzeichnend für Wiesers künstlerische Praxis ist die Ausarbeitung von ungeordne-ten Rastersystemen. Spiegelungen, Lichtbrechungen, Farbzerlegungen und Fragmentierun-gen spielen dabei eine besondere Rolle. Zerteilte Spiegel reflektieren den Raum, demontieren ihn gleichsam und führen schließlich alle Elemente in Form einer diskontinuierlichen Assem-blage zu immer wieder neuen Möglichkeiten der Wahrnehmung zusammen. Aufgliederung erweist sich demnach als fundamentaler Prozess der Werkgenese. So offenbart sich der den Dingen innewohnende Einklang als Widerhall im Raum.

Das Prinzip Wiederholung spielt auch in den Werken von Jochen Plogsties eine zentrale Rolle. In seinen Bildern übersetzt der Künstler bereits bestehendes Bildmaterial – Abbildun-gen von Kunstwerken oder Presse- und Naturfotografien – aus Katalogen, Büchern, Zeit-schriften und Internetquellen in Malerei. Es handelt sich jedoch nicht um Kopien im Sinne einer getreuen Wiederholung. Oft ist das Motiv fast bis zur Unkenntlichkeit reduziert und bleibt nur als Grundschema sichtbar. Die Komposition wird überlagert von einem Netz abstrakter Formen aus Kreisen, geraden Linien und Knotenpunkten.

Tatsächlich handelt es sich aber nicht um eine Verfremdung oder Verschleierung im Sinne von Variation. Vielmehr eignet sich Plogsties die zugrunde liegenden Strukturen seiner Bildvorlagen an. Auf der Basis von Fünfecken entwickelt der Künstler ein geometrisches Raster mit veränderlichen Variablen. Ihn beschäftigt dabei die Frage, inwiefern unserer Bild-kultur eine Art flexible Matrix zugrunde liegen könnte, deren unterschiedliche Konstellationen immer wieder auf den gleichen grammatikalischen Ursprung zurückführbar sind. Plogsties durchdringt die Welt der Bilder, um sie auf diese Weise offenzulegen.

In einer Zeit permanenter, digitaler Verbreitung visuellen Materials, sind die Debatten um Autorschaft und geistiges Eigentum neu entflammt. Originalität im Sinne von Unwiederhol-barkeit und Einmaligkeit ist dabei ein recht junges Konzept der Kunstgeschichte. Es handelt sich um eine Idee, die mehr über unsere Vorstellungen von Kunst aussagt, als über das, was Kunst tatsächlich leisten kann. Nähert man sich dem Begriff Einzigartigkeit jedoch eher als eine abweichende Lesart von Wahrhaftigkeit, so lässt sich der Ansatz von Plogsties als eine Suche nach dem genuinen Zusammenhalt der Elemente in einem bildnerischen Organismus lesen. Ging es den Künstlern der Renaissance – man denke an Dürers Proportionslehre oder Leonardos Neuauflage des Vitruvianischen Menschen – um die idealen Verhältnisse der höchsten Schöpfung Gottes, ergründet Plogsties in seinen malerischen Ableitungen die werkkonstituierenden Symmetrien zwischen den Bildern. In seinen Werken manifestiert sich nicht zuletzt das scheinbar grenzenlose Potential des Prinzips Wiederholung als Wieder-Holen und Neu-Finden.

Text: Anka Ziefer

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