Andi Fischer

ER DACHTE ALLES 3

Nov 16th, 2019 — Jan 11th, 2020
Opening Saturday, Nov 16th, 2019, 6—9 pm
Sies + Höke, Düsseldorf

Andi Fischer

AAA LEBER SCHMERZT, 2019

Oilstick on canvas
260 x 210 cm

Courtesy the artist; Sies + Höke, Düsseldorf
Photographer Simon Vogel, Cologne

Location

Sies + Höke
Poststraße 2+3
Düsseldorf

Featured Artists

Press release - Please scroll down for German version

In his first solo exhibition at Sies + Höke, Berlin-based artist Andi Fischer is exhibiting large-format paintings, drawings, and sculptures.

Fischer’s works focus on the study, investigation, and re-evaluation of a general art history—especially of classical mythological and historical paintings and scenes. The painter attempts to find a new approach to this subject by consciously deconstructing the art of old masters such as Albrecht Dürer and Peter Paul Rubens. The renewed composition of the painting in and of itself—its tradition and transmission to subsequent generations—unfurls a new connotative freedom. This diversification in Fischer’s paintings allows re-observation of artworks’ fixed statements and traditional historiography. At the levels of appearance and interpretation, this permits the viewer an independent understanding gained via unconstrained appraisal. Fischer’s artistic practice treats drawing and painting equally, thereby critiquing traditional hierarchies of art history.
By playing through and exaggerating various modes of museum exhibition—for example in the form of tinted walls, homemade frames, and museum benches—Fischer expands his interrogation of art history methods to include institutional critique and simultaneously provides a commentary on artistic perfectionism.

For his exhibition Er dachte alles 3, Andi Fischer challenges tradition via the motif of hunting.
Alongside referencing Albrecht Dürer (1471-1528), the majority of the works in the exhibition tangibly borrow from the works of Peter Paul Rubens (1577-1640). In his drawings and paintings, Fischer reveals an intellectual continuation, transferring Baroque allusions to the Italian Renaissance into our present day. Ruben’s paintings tell of myths, heroic deeds, and battles. Through light and color, they create a pictorial language that carries within it a specific statement by the artist, who has previously made use of art theory discourse of previous centuries, having studied this discourse extensively. Andi Fischer seizes upon both the theoretical basis and Rubens’s painting style. Thus the young artist works simultaneously with and against the apparent exclusivity of the famous historical genre referred to as history painting. Largely by dissolving that which is depicted, Fischer rejects the requirement that the painting contain an interpretation of a mythological, historical image. It is only the components that are key to his own understanding of the image that are adopted within his own, starkly reduced visual language.

Ruben’s arrangement of Prometheus (1618) is based on an enormous artistic freedom that permits the demigod to appear as a hero. In AAA LEBER SCHMERZT (2019), he deconstructs mythology by reducing it to just an eagle, a figure, and a liver. Through his seemingly naive painterly practice, Fischer consciously refers to the patriarchal structures of historical representations and the intellectual demands they make on the viewer. Thus he retains the basic coloration of Peter Paul Rubens: Prometheus is also staged here in his blue coat as a reclining figure, while the eagle is depicted in dark brown and black. However, he evades interpretation by reducing any incidence of light to an interpretation of the individual figures.

The painter also depicts traditions that sometimes seem absurd, such as the glorification of hunting or the struggle between human and animal. Hunting—as a symbol of historical pathos—becomes a circus for him in which the hunter and the hunted appear equally animalistic on the canvas. In these hunting scenes, the hunters—via their reduced gestures—acquire qualities such as helplessness and dressage poses that would otherwise be proper to a circus animal.
With this apparently simplicity, Andi Fischer creates a new understanding and an original perspective on classical art historical topoi while simultaneously building upon them for contemporary art.

Text by Marlene A. Schenk

Pressetext

In seiner ersten Einzelausstellung bei Sies + Höke zeigt der in Berlin lebende Künstler Andi Fischer großformatige Malereien, Zeichnungen und Skulpturen.
Im Mittelpunkt von Fischers Arbeiten stehen die Abhandlung, Untersuchung und Neubewertung einer allgemeinen Kunstgeschichte, insbesondere von klassisch mythologischen und historischen Gemälden und Szenen. Der Maler unternimmt den Versuch, durch die bewusste Dekonstruktion der Kunst alter Meister wie Albrecht Dürer und Peter Paul Rubens einen neuen Betrachtungszugang zu diesem Sujet zu finden. Anhand der erneuten Zusammensetzung des Gemäldes an sich, seiner Tradition und Überlieferung entfaltet sich eine neue konnotative Freiheit. Diese Auffächerung in Fischers Gemälden erlaubt eine Umorientierung im Betrachten von festgeschriebenen Werkaussagen und tradierter Geschichtsschreibung, die auf den Ebenen von Erscheinung und Deutung ein eigenes Verständnis mit zwangloser Bewertung ermöglicht. Fischers künstlerische Praxis behandelt Zeichnung und Malerei gleich und kritisiert damit althergebrachte, kunsthistorische Hierarchien.
Indem Fischer verschiedene Modi des Museumsdisplays durchspielt und überspitzt, etwa in Form von abgetönten Wänden, selbstgebauten Rahmen und Museumsbänken, erweitert er seine Befragung kunstgeschichtlicher Methoden um die Institutionskritik und liefert einen Kommentar zum künstlerischen Perfektionismus gleich mit.

Für seine Ausstellung Er dachte alles 3 hat sich Andi Fischer mit der Infragestellung von Tradition und daraus resultierend mit dem Motiv der Jagd auseinandergesetzt.

Eine Mehrzahl der Werke in der Ausstellung sind - nebst seiner bereits erwähnten Rückbezüge auf Albrecht Dürer (1471–1528) - konkrete Anlehnungen an die Werke Peter Paul Rubens (1577–1640). Fischer zeigt in seinen Zeichnungen und Malereien eine gedankliche Weiterführung und überträgt barocke Anspielungen auf die italienische Renaissance bis in unsere Gegenwart. Rubens Bilder erzählen von Mythen, Heldentaten und Kämpfen. Sie lassen eine Bildsprache entstehen, die durch Licht und Farbigkeit eine spezifische Stellungnahme des Künstlers in sich trägt, der sich bereits selbst bei kunsttheoretischen Diskursen vergangener Jahrhunderts bediente, die er intensiv studierte. Andi Fischer greift beide Eigenschaften auf, die theoretische Grundlage und Rubens Malerduktus. So arbeitet der junge Künstler gleichzeitig mit und gegen die scheinbare Exklusivität jener berühmten, historischen Gattung, der sogenannten Historienmalerei. Fischer widersetzt sich der inhaltlichen Voraussetzung, die eine Deutung des mythologischen Historienbildes vorzugeben scheint, indem er das Dargestellte weitgehend auflöst. Nur die Bestandteile, die für das eigene Verständnis des Bildes wichtig erscheinen, werden in seiner eigenen, stark reduzierten Bildsprache übernommen.

Rubens Ausgestaltung des Prometheus (1618) liegt eine enorme künstlerische Freiheit zugrunde, die den Halbgott als Helden erscheinen lässt. In AAA LEBER SCHMERZT (2019), dekonstruiert er die Mythologie, indem er sie auf Adler, Figur und Leber reduziert. Fischer nimmt durch seine scheinbar naive malerische Praxis bewusst Bezug auf die patriarchalischen Strukturen historischer Darstellungen und ihre intellektuellen Ansprüche an den Betrachter. So behält er die grundlegende Farbgebung des Peter Paul Rubens bei: Prometheus ist auch hier auf seinem blauen Mantel - als liegende Figur - inszeniert, während der Adler in dunklem Braun und Schwarz dargestellt ist. Er entzieht sich aber durch die Reduktion von jeglichem Lichteinfall auf eine Deutung der einzelnen Figuren.

Ein weiteres Thema des Malers ist die Darstellung von teils absurd anmutenden Traditionen, wie der Verherrlichung der Jagd oder dem Kampf zwischen Mensch und Tier. Die Jagd, als Symbol für historischen Pathos, wird bei ihm zu einem Zirkus, in dem Jäger und Gejagter auf der Leinwand gleichermaßen animalisch erscheinen. In den dargestellten Jagdszenen erhalten die Jäger durch das Reduzierte ihrer Gesten Eigenschaften, die sonst einem Zirkustier zukämen, wie zum Beispiel Hilflosigkeit und Dressurposen.
Andi Fischer schafft mit dieser vermeintlichen Simplizität ein neues Verständnis und eine originelle Perspektive auf klassisch kunsthistorische Topoi und entwickelt diese zugleich weiter für die zeitgenössische Kunst.

Text von Marlene A. Schenk

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