Sigmar Polke
Road Trip through the Middle East | Pictorial Photography from Afghanistan and Pakistan

4. Sept. – 2. Okt. 2020
Sies + Höke, Düsseldorf

Copyright © The Estate of Sigmar Polke, Cologne; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Gelatin silver print, overpainted with albumen paint and gold lacquer
84 × 120 cm
Framed 94 × 129 × 7 cm
Unique
Copyright © The Estate of Sigmar Polke, Cologne; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Simon Vogel
Gelatin silver print
65 × 94 cm
Framed 81 × 113,4 × 5 cm
Unique
Copyright © The Estate of Sigmar Polke, Cologne; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Copyright The Estate of Sigmar Polke, Cologne; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Sies + Höke, Düsseldorf
Gelatin silver print
120 × 80 cm
Framed 95 × 130 × 5 cm
Unique
Copyright © The Estate of Sigmar Polke; VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Gelatin silver print, overpainted with albumen paint and gold lacquer
84 × 120 cm
Framed 94 × 129 × 7 cm
Unique
Copyright © The Estate of Sigmar Polke; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Simon Vogel
Gelatin silver print on Agfa P90 paper
20,9 × 29,4 cm
Framed 52,5 × 61,4 × 4 cm
Unique
Copyright © The Estate of Sigmar Polke; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Gelatin silver print
20,9 × 29,7 cm
Framed 52,5 × 61,4 × 4 cm
Unique
Copyright © The Estate of Sigmar Polke; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Gelatin silver print
87 x 84 cm
Framed 95 × 94 × 3 cm
Unique
Copyright © The Estate of Sigmar Polke; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Simon Vogel
Gelatin silver print
20,9 × 29,7 cm
Framed 52,5 × 61,4 × 4 cm
Unique
Copyright © The Estate of Sigmar Polke; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Gelatin silver print, paint
Copyright The Estate of Sigmar Polke, Cologne; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Gelatin silver print
84 x 119 cm
framed 96,8 x 131,1 x 5,3 cm
Copyright The Estate of Sigmar Polke, Cologne; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Simon Vogel

Vor zehn Jahren starb Sigmar Polke, nächstes Jahr wäre er 80 geworden. Sies + Höke Düsseldorf und Kicken Berlin erinnern an einen der wichtigsten deutschen Künstler seiner Generation mit einer Werkserie von fast 20 Foto-Unikaten, die – wie so vieles in seinem Oeuvre – bis heute erstaunlich wenig erforscht und einem großen Publikum noch weitgehend fremd ist.

Um die Bilder zu verstehen, blicken wir zurück in die frühen Siebzigerjahre, als Polke seinem Leben im Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie, seiner Frau und seinen zwei Kindern radikal den Rücken kehrt. Mit seiner neuen Partnerin Mariette Althaus bezieht er einen Bauernhof, um im Kreis von Gleichgesinnten mit Kunst, Drogen und Beziehungen zu experimentieren. Als auch diese Partnerschaft zerbricht, setzt sich Polke mit zwei Freunden in einen Buick Cabriolet und beginnt eine abenteuerliche Reise auf dem „Hippie Trail“, die sechs Monate dauern wird. Das Ziel: Afghanistan und Pakistan. Wie immer hat Polke seinen Fotoapparat dabei. Was er nicht ahnt: Die Bilder dieser Reise werden zum Meilenstein in seinem Werk – und in der deutschen Fotografie überhaupt. Wenn man Polke bis vor einigen Jahren noch vor allem für seine Malerei kannte, seine zahllosen Objekte, Zeichnungen, Grafiken, Filme und vor allem seine unglaublichen Fotografien übersah, so ist diese Bildserie der wohl der außergewöhnlichste, vielleicht am meisten unterschätzte, in jedem Fall aber visuell eindrücklichste Teil eines Werks, das sich an keinem Ende fassen lässt.

Polke ist fasziniert von der archaischen, fremden Welt und ihren Ritualen – mit seinen Aufnahmen von Bärenkämpfen und Männergruppen knüpft er an die Orientfotografie aus dem 19. Jahrhundert an. Doch Polke wäre nicht Polke, würde er den historischen, klischeehaften Blick auf den Kosmos, in den er eintaucht, nicht mitdenken. Vor allem in den Opiumhöhlen der pakistanischen Stadt Quetta entstehen Bilder von solcher Intimität und Intensität, wie man sie noch nie gesehen hat – schon gar nicht so, wie Polke sie transformiert: Einige Jahre nach seiner Rückkehr nimmt er sie sich noch einmal vor und beginnt, sie mit Chemikalien zu bearbeiten, mit Kratzern und Knicken zu versehen oder mit leuchtenden Farben zu bemalen. Was durch solche Manipulationen entsteht, sind absolute Meisterwerke in Polkes Oeuvre, und einzigartig in der Geschichte der Fotografie. Nicht nur ist in diesen Bildern ein beinahe zärtlicher Blick aus nächster Nähe spürbar, der sicher nicht jedem Touristen gewährt war und der neben der Faszination von höchstem Respekt zeugt. Aber auch durch die Veränderung, durch das Einschreiben von Fehlern und leuchtenden Farben, die den Bildern einen überirdischen Klang verleihen, bekommen wir ein Gefühl für die der Realität enthobenen Geisteszustände der Porträtierten – und vielleicht auch des Fotografen selbst. Polke stellt in diesen Bildern das Klischee der Orientfotografie auf den Kopf: Die schauernde Freude am Fremden, die dem westlichen Betrachter traditionell über den Rücken läuft, erhält hier eine neue, beinahe spirituelle, dem voyeuristischen Blick enthobene Dimension. Das Fremde ist im Nebel des Rausches gänzlich unbegreiflich geworden. Polke schafft Irritationen darüber, was diese Bilder eigentlich sind: Malerei oder Fotografie, Dokumentation oder Inszenierung, Traum oder Wirklichkeit.

Wer die geisterhaft-schönen Werke heute betrachtet, kann sich ihrem Bann kaum entziehen. Polke ist seiner Zeit voraus, wenn er die Stereotypen von Szenen und Menschen im Mittleren Osten zugleich bedient und aushebelt. Er tut das auf eine ungemein poetische, sanfte und hingebungsvolle Weise, voller Melancholie und Begeisterung für eine Welt jenseits jeder kleinbürgerlichen Realität. Sein Spiel mit den Abzügen ist Hingabe und Ehrfurcht, Würdigung und Aneignung zugleich. Polkes Geist spukt in diesen Bildern – so, wie er es davor und später nie wieder tat.

Angelehnt an den Text von Gesine Borcherdt im Katalog, der zur Ausstellung erscheint.

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