Marcel Dzama
Be good little Beuys and Dada might buy you a Bauhaus

6. Sept. – 26. Okt. 2019
Sies + Höke, Düsseldorf

Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Simon Vogel

Anlässlich unserer 20-jährigen Zusammenarbeit, zeigt der in New York lebende Kanadier Marcel Dzama (*1974) neue Zeichnungen und Skulpturen, eine großformatige Wandarbeit und ein 2-Kanal Video in seiner achten Einzelausstellung bei Sies + Höke.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten begeistert Marcel Dzama ein breites internationales Publikum mit seinen Zeichnungen, Skulpturen, Installationen und Videoarbeiten. In den späten 1990er Jahren erregte er Aufsehen mit seinen skizzenhaften Zeichnungen von brutal und doch komisch interagierenden Phantasiewesen. Später kamen großformatige Diorama-Schaukästen hinzu, in denen liebevoll gestaltete Keramikfiguren erstaunlich kriegerische Taten vollbringen. Weitere zentrale Werke des Künstlers sind seine teils kinetischen Skulpturen von Marionetten, Masken und Puppen, ausgeführt in Keramik, Blech oder Pappmache, sowie seine aufwändig inszenierten Filme voll tanzender Schachfiguren. In letzter Zeit sind großformatige, teils raumfüllende Papierarbeiten hinzugekommen, deren Inhalte zunehmend Kommentare zum Zeitgeschehen enthalten.

Dzamas bildnerisches Repertoire enthält eine große Bandbreite kunsthistorischer Zitate, so erkennt man beispielsweise Ballett-Kostüme von Oskar Schlemmer oder Francis Picabia und konkrete Anleihen an Francisco de Goya, Marcel Duchamp, Joseph Beuys oder Sigmar Polke. Eingebettete Textfragmente enthalten Zitate von William Blake oder Rainer Maria Rilke. Allerdings sind es nicht nur Ausflüge in die Vergangenheit, die Dzamas Kreativität anspornen. Der musikalisch begeisterte Künstler hat von Beginn seiner Karriere an mit verschiedenen Kollegen zusammengearbeitet, sei es im Rahmen der von ihm mitbegründeten Royal Art Lodge in Winnipeg, oder in Form von Kollaborationen mit Mitgliedern der Band Arcade Fire, der Musikerin Kim Gordon (Sonic Youth), dem Filmemacher Spike Jonze, der Schauspielerin Amy Sedaris, dem Ensemble des New York City Balletts oder Künstlerkollegen wie Jockum Nordström. Besonderen Einfluss auf Dzamas Schaffen hatte zuletzt die wiederholte Zusammenarbeit mit dem Künstler Raymond Pettibon, der wie kein anderer eine Kombination aus Punkrock-Einflüssen, scharfer Gesellschaftskritik und Comic-Zeichenstil in der zeitgenössischen Kunst etabliert hat.

Durch die Freundschaft und Zusammenarbeit mit Raymond Pettibon hat sich auch Dzamas Zeichenstil verändert und ist, besonders im Großformatigen, lockerer und flächiger geworden, dabei aber auch farbiger und mit mehreren parallelen Handlungsebenen versehen. Inhaltlich haben sich seine Kommentare zum Zeitgeschehen zugespitzt, besonders seit die Präsidentschaft Donald Trumps und der zunehmende politische Populismus in der westlichen Welt vermehrt Angriffsfläche dazu bieten. In seine Zeichnungen eingebettete Textzeilen oder Bildtitel wie „The sleep of truth creates dictators“ oder „The revolution will be female“ stehen für sich. Ein männlicher Löwe mit den collagierten Augen einer jungen Frau thematisiert Geschlechterverhältnisse, eine dargestellte „Mutter Natur“ kommentiert den Zustand der Umwelt im Zeitalter des Klimawandels, und wild mit Pistolen herumballernde Comicfiguren erinnern an die überholungsbedürftigen Waffengesetze in den USA. Ein Bildzitat der alttestamentarischen Geschichte von Judith und Holofernes, in der die schöne und mutige Judith den tyrannischen Feldherrn Holofernes verführt, betrunken macht und ihm daraufhin den Kopf abschlägt, wodurch sie ihren Heimatort vor der Unterwerfung durch den Gegner bewahrt, kann als Protest gegen bestimmte, männlich-weiß geprägte Machtverhältnisse verstanden werden, so der Künstler.

Neben neuen großformatigen Zeichnungen zeigt Dzama in seiner aktuellen Ausstellung eine Gruppe von maskenhaften Skulpturen, eine großformatige, immersive Wandmalerei und eine neue 2-Kanal Videoprojektion. Der Film handelt von einem tyrannischen Künstler und Regisseur, alias Marcel Dzama, gespielt von Amy Sedaris, der sich auf ein Schachspiel mit einem singenden Vampir einlässt, gespielt von Raymond Pettibon.

Marcel Dzama wurde 1974 in Winnipeg, Kanada, geboren und lebt in New York. Zu seinen Einzelausstellungen zählen: Drawing on a Revolution, La Casa Encendida, Madrid (2017); NYCB Art Series presents Marcel Dzama, David H. Koch Theater, Lincoln Center, New York (2016); Une danse des bouffons (A jester’s dance), KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2015); Mischief Makes a Move, World Chess Hall of Fame, St. Louis, Missouri (2015); Hollow Laughter, Kunstmuseum Thun (2014); The never known into the forgotten, Kunstverein Braunschweig (2011); A Game of Chess, Gemeentemuseum Den Haag (2011); Aux mille tours, Musée d’Art Contemporain de Montréal (2010) und Marcel Dzama, Pinakothek der Moderne München (2008). Seine Werke befinden sich in den Sammlungen zahlreicher internationaler Museen, wie z.B.: MoMA (New York), Solomon R. Guggenheim Museum (New York), Corcoran Gallery of Art (Washington), Museum of Contemporary Art (Los Angeles), Dallas Museum of Art (Dallas), Musée d’art contemporain du Montréal (Montréal), National Gallery of Canada (Ottawa), Vancouver Art Gallery (Vancouver) und Tate Modern (London).

About Marcel Dzama

Through his fascinating and immediately identifiable imagery, Dzama (*1974, Winnipeg) explores the wavering relationship between the real and the subconscious.

Artworks

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