Laurent Le Deunff
Kuriosität

16. Jan. – 28. Feb. 2026
Sies + Höke, Düsseldorf

Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies

Text von Nicolas Vamloukis

Concrete
175 x 47 x 47 cm
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies

Sies + Höke freut sich, Kuriosität zu präsentieren, die erste Einzelausstellung des französischen Künstlers Laurent Le Deunff in der Galerie. Die Ausstellung vereint neue und aktuelle Arbeiten und wird von der einfachen, aber drängenden Frage geleitet: Was betrachten wir hier eigentlich?

Der Titel ist eine Anspielung auf die Wunderkammer, in der Objekte zwischen Wissen und Faszination oszillieren. Bei Le Deunffs Skulpturen handelt es sich gewissermaßen um Präparate: Sie wurden entdeckt und anschließend sorgfältig inszeniert, als wären sie Teil eines Dioramas. Diese Atmosphäre wird durch den Dialog zwischen den beiden Materialien Echt- und Kunstholz noch verstärkt. Die Technik wird hier zu einem Wahrnehmungsinstrument, das über die Funktion eines reinen Displays hinausgeht.

Eine zentrale Skulpturengruppe wurde aus einzelnen Baumstämmen geschnitzt. Le Deunff arbeitet allein und von Hand. Ausgangsmaterial sind Baumstämme, die er in den Wäldern rund um Bordeaux gesammelt hat. Er markiert jeden Stamm mit Holzkohle und teilt ihn in drei Segemente ein. Dann nimmt er seine Arbeit auf, ohne vorab festzulegen, was aus dem jeweils nächsten Segment werden soll. Eine Form führt zur nächsten, wodurch eine zeitgenössische, im Atelier entstandene Version des surrealistischen Cadavre Exquis entsteht. Jede Skulptur besteht aus drei unterschiedlichen Segmenten, die übereinandergestapelt sind und Tiere, Pflanzen und Objekte in totemartigen Konstellationen vereinen.

Die Titel der Skulpturen bewahren die Namen der verwendeten Baumarten. Werke wie Aulne (Erle) oder Cèdre rouge (Rote Zeder) verweisen auf das jeweilige Ausgangsmaterial und unterstreichen, dass jeder Stamm seine eigene Geschichte hat. Dabei ist Vielfalt entscheidend: Verschiedene Hölzer haben unterschiedliche Maserungen, Dichten und Farben, die sowohl die Form als auch die Größe beeinflussen. Ein kleinerer Stamm erfordert Verdichtung, ein größerer bietet Raum für Weite. Zusammengenommen vermitteln die Schnitzereien den Eindruck eines „Waldes“ innerhalb der Galerie, der sich aus einzelnen Bäumen zusammensetzt und nicht einer abstrakten Vorstellung von Natur entspringt. Le Deunff interessiert sich darüber hinaus für Techniken aus den Bereichen Kunsthandwerk und dekorative Kunst. Schon früh wandte er sich der Collage und dem Pappmaché zu und betrachtete das Handwerk nicht als Zierat, sondern als visuelle Strategie. Neben Skulpturen aus Massivholz präsentiert er Werke, die mit den im Frankreich des 19. Jahrhunderts beliebten dekorativen Techniken Rocaillage und Rusticage gefertigt wurden. Dabei wird Beton so bearbeitet, dass er wie Holz aussieht. Der Prozess beginnt mit einem Eisengerüst in Originalgröße, das nach bekannten Formen modelliert wird. Zwei Schichten Zement, gemischt mit Sand und Latex, trocknen langsam, sodass der Künstler sie mit Messern, Pinseln und anderen Werkzeugen bearbeiten kann. Anstatt Holz zu imitieren, reproduziert er dessen Logik von Schnitten, Rillen und Astlöchern, sodass die Oberfläche die Erinnerung an die Schnitzerei bewahrt.

Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Concrete
97 x 120 x 50 cm
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies

Die Natur bleibt das zentrale Thema. Tiere treten als wiederkehrende Protagonisten in Erscheinung, die mit Aufmerksamkeit und bewusst eingesetzter Verfremdung in Szene gesetzt werden. Für zwei neue Arbeiten, Hibou und Chouette (beide 2025), wurden Eulen auf oder in einem Baumstamm platziert; hier trifft Tarnung auf Sichtbarkeit. Die menschliche Präsenz manifestiert sich lediglich als Spur: ein Zahn, ein Paar Stiefel, ein Hinweis auf Gebrauch ohne Nutzerin.

Die Ausstellung ist als immersive Installation konzipiert. Der Boden ist mit weißem Kies bedeckt, der an Steingärten erinnert und den Rhythmus der Bewegung verändert. Skulpturen stehen auf Sockeln unterschiedlicher Höhe, deren Oberfläche an behauenen Stein erinnert. Kakteen prägen den Raum wie hartnäckiges Unkraut und stellen gepflegte Sorgfalt neben invasive Beharrlichkeit. Die Brunnenarbeit Marmotte (2025) schafft mit ihrem zirkulierenden Wasser eine Klangkomponente und sorgt für eine meditative Note. Ein weiteres Highlight ist die Arbeit Trappe II (2023), die an eine versiegelte Luke oder Falltür denken lässt, die sich nicht öffnen lässt. Kompakt und architektonisch gehalten, hält sie bewusst etwas zurück und fordert die Betrachter*innen auf, sich vorzustellen, was sich darin befinden könnte.

Kuriosität entfaltet sich als kontemplativer Raum, in dem man Zeit mit den Skulpturen verbringen kann. Le Deunff macht eher Andeutungen als dass er eine vollständige Erklärung gibt. Er gibt nur so viel preis, dass Assoziationen geweckt werden. Die Bedeutung erschließt sich allmählich im stillen Moment, in dem das scheinbar Offensichtliche durch ein Detail verändert wird. Was bleibt, ist die Freude über die Entdeckung und der Wunsch, noch einmal hinzuschauen.

Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Oak
42 x 12 x 12 cm
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Walnut
61,5 x 10 x 10 cm
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies

Entrance presentation with João Maria Gusmão

Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
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Concrete
140 x 66 x 66 cm
Copyright the artist; Semiose, Paris, Paris; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies

Artworks

Parallel Exhibition