Julian Charrière
Calls for Action

8. Juni – 6. Okt. 2024
Globus, Market Square, Basel

Copyright the artist; VG Bild-Kunst, Bonn; Photo Mark Niedermann

Organisatoren:
Fondation Beyeler und Globus

In diesem Sommer wird der schweizerisch-französische Künstler Julian Charrière das historische, derzeit im Umbau begriffene Basler Warenhaus Globus durch ein grenzüberschreitendes Kunstwerk verwandeln: Er schlägt eine Brücke zwischen der von Bergen geprägten Schweizer Landschaft und einem Nebelwald in den ecuadorianischen Westanden, um Menschen über grosse Entfernungen hinweg miteinander zu verbinden. Die Intervention im öffentlichen Raum lädt die Basler Bevölkerung sowie die Besucherinnen und Besucher dazu ein, mit ihrer aktiven Teilnahme eine Schutzfunktion zu übernehmen, indem sie einer bedeutenden CO2-Senke und einem gefährdeten Biodiversitäts-Hotspot der Erde ihre Stimme leihen.

Calls for Action ist der zweite Teil des «Globus Public Art Project»: Im Rahmen des drei Jahre währenden Umbaus seines ikonischen Warenhauses am Basler Marktplatz lädt Globus in Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler Künstlerinnen und Künstler ein, neue ortsspezifische Kunstwerke zu konzipieren und zu realisieren, die sich sowohl mit dem Bauwerk als auch dem Publikum auseinandersetzen.

Calls for Action ist eine spielerische und zugleich kritische Intervention, die zeigt, wie bedeutsam emotionale Beziehungen für umweltpolitisches Handeln sind. Obwohl Regenwälder wichtige CO2-Speicher und Lebensräume für vitale biodiverse Lebensgemeinschaften sind, hatten nur wenige Menschen auf der Nordhalbkugel bislang die Möglichkeit, das unmittelbar selbst zu erleben. Ich möchte dem Publikum Gelegenheit geben, mit einem von Basel weit entfernten Ökosystem persönlich in Kontakt zu treten und darin die eigene Stimme zu hören. Das erinnert daran, dass unsere Präsenz selbst an Orten wahrnehmbar ist, die wir für weit entfernt halten. Alles ist miteinander verknüpft, und es gibt keinen Ort, der die Folgen menschlichen Handelns oder Nichthandelns nicht zu spüren bekäme. Calls for Action ist eine Konfrontation mit dieser Realität, birgt aber auch die Chance, mit gezieltem Handeln und vereinter Stimme etwas, das sonst stumm verloren ginge, am Leben zu erhalten und wieder wachsen zu lassen

Julian Charrière

Julian Charrière, Western Andean Cloud Forest, Ecuador, 2024

Copyright the artist; VG Bild-Kunst, Bonn; Photo Alcuin Stevenson
Copyright the artist; VG Bild-Kunst, Bonn; Photo Mark Niedermann

Julian Charrière verbindet in Calls for Action Kunst im öffentlichen Raum mit Landschaftsschutz, indem er eine Live-Schaltung zwischen der Stadt Basel und einem Nebelwald in den ecuadorianischen Westanden einrichtet, um auf die globale Vernetzung ebenso wie auf die Umweltbelastungen hinzuweisen, die für unseren Planeten lebenswichtige Ökosysteme gefährden. Mit einem an der Fassade des Warenhauses angebrachten grossformatigen Bildschirm öffnet das Projekt ein Echtzeit-Fenster mitten hinein in die üppige Biodiversität einer bedrohten Ökoregion. Um zur Kommunikation und Interaktion zu ermutigen, wurde auf dem Marktplatz eine Telefonzelle installiert, in der die Besucherinnen und Besucher zum Hörer greifen und das weit entfernte Ökosystem sowohl hören als auch selbst in es hineinsprechen können. Indem sich so die Möglichkeit eröffnet, eine engere Beziehung zwischen Stadt und Urwald herzustellen, regt Calls for Action zu einer Begegnung an, die über das blosse Betrachten hinausgeht: Wir können unsere Stimme nicht nur im Regenwald, sondern auch zu seinen Gunsten erheben.

Durch diese kollektive Erfahrung will Julian Charrière neue weltweite, über die Grenzen unserer unmittelbaren Umgebung hinausreichende Verbindungen schaffen und deutlich machen, dass Kunst durchaus als Mittel zur aktiven Auseinandersetzung mit Umweltthemen jenseits der Alltagserfahrung taugt. Dabei geht es ihm in erster Linie um dringliche Anliegen wie die Eindämmung der Abholzung, ökologische Verantwortung und die nachhaltige Bewirtschaftung des Regenwalds.

Das Projekt zielt nicht nur auf das Herstellen einer emotionalen Bindung an eine bestimmte Region, sondern ganz direkt auch auf die Akquise von Spenden zugunsten lokaler Schutzmassnahmen, in diesem Fall in einem ecuadorianischen Nebelwald. Dieser gilt als Biodiversitäts-Hotspot und gehört zu jenen 25 Regionen weltweit, in denen – obwohl sie bereits 70 Prozent ihrer ursprünglichen Vegetation verloren haben – mindestens 1.500 Arten nur dort existierender Gefässpflanzen wachsen. Es handelt sich um eine der feuchtesten Regionen der Erde mit einem hohen Anteil endemischer Spezies, die nirgendwo sonst vorkommen. Etliche gefährdete Tierarten haben hier ihren Lebensraum, so der Bechsteinara, der Braunkopfklammeraffe, der Schwarzbrust-Schneehöschen-Kolibri, das Weissbartpekari, der Harpyienadler, der Bindengrundkuckuck, der Geoffroy-Perückenaffe sowie Tapir und Puma. Nebelwälder wie dieser sind entscheidend für die Biodiversität, die CO2-Speicherung und den Wasserkreislauf, zugleich aber auch unabdingbar für die Eindämmung des Klimawandels und die Erhaltung der Gesundheit unseres Planeten.

Die Schutzaktion von Calls for Action wird ermöglicht und unterstützt durch Art into Acres, eine von Kunstschaffenden ins Leben gerufene Non-Profit-Initiative; Re:wild, eine Organisation, die sich für Umweltanliegen auf der ganzen Welt einsetzt; sowie durch die Zusammenarbeit mit der Fundación de Conservación Jocotoco, einer ecuadorianischen Nichtregierungsorganisation zum Schutz regionaler Gebiete, die zur Erhaltung bedrohter Arten von zentraler Bedeutung sind. Die Installation ist der erste Schritt eines umfassenderen Engagements Julian Charrières, das Bewusstsein für die bedrohte Situation der Regenwälder weltweit zu stärken, indem er – gestützt auf umweltbewusste Solartechnik – die Möglichkeit eröffnet, physisch mit der lebendigen Vielfalt der Flora und Fauna dieser Ökosysteme in Beziehung zu treten und eine emotionale Bindung mit ihnen einzugehen. Dies soll in konkretes Handeln münden: Durch Benutzung eines QR-Codes in der Telefonzelle können sich die Besucher und Besucherinnen an der Spendenaktion beteiligen und so einen Beitrag zum Schutz des im Livestream gezeigten Gebiets leisten.



Das «Globus Public Art Project» ist eine Initiative des gleichnamigen Schweizer Warenhauses und wird in Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler realisiert. Im Rahmen dieser Kooperation wird im Laufe des dreijährigen Umbaus des ikonischen Gebäudes am Basler Marktplatz jedes Jahr eine Künstlerin oder ein Künstler eingeladen, ein Kunstwerk für den öffentlichen Raum am Gebäude und in seinem Umfeld zu schaffen.

Kurator des Projekts ist Samuel Leuenberger.

Julian Charrière, Calls for Action, 2024, behind the scenes in Western Andean Cloud Forest, Ecuador

Copyright the artist; VG Bild-Kunst, Bonn; Photo Alcuin Stevenson

In Baden-Baden (Deutschland) zeigt das Museum Frieder Burda Julian Charrières Calls for Action als immersive partizipatorische Installation mit einem zweiten Livestream aus einem Küstenregenwald in Ecuador. Die Präsentation ist Teil der Jubiläumsausstellung zum 20-jährigen Bestehen des Museums, «I Feel the Earth Whisper», mit Bianca Bondi, Julian Charrière, Sam Falls und Ernesto Neto. Die von Patricia Kamp und Jérôme Sans kuratierte Ausstellung ist vom 14. Juni bis zum 3. November 2024 zu sehen.

Julian Charrière, Western Andean Cloud Forest, Ecuador, 2024

Copyright the artist; VG Bild-Kunst, Bonn; Photo Alcuin Stevenson

About Julian Charrière

Charrière's work is a blend of conceptual explorations and poetic archaeology which includes performances and photographs as well as installations.

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