Henning Strassburger
HIGH

12. Apr. – 11. Mai 2024
Sies + Höke, Düsseldorf

Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies, Düsseldorf

Sies + Höke zeigt mit der Ausstellung HIGH neue Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Henning Strassburger. Strassburger, der im Diskurs über abstrakte Malerei als einer der maßgeblichen Protagonisten seiner Generation bekannt geworden ist, integriert die Erkenntnisse aus seinen bisherigen Arbeiten in einem neuen Bild-Zyklus.

Ab 2020 waren in seiner Serie von grauen Bildern bereits deutlich repräsentative Elemente erkennbar. Dabei handelte es sich um scheinbar abstrakte Linien, die Vergrößerungen von figurativen Tuschezeichnungen darstellten, die der Künstler mittels Beamer groß auf die Leinwand projiziert hatte. Der scheinbar spontane Gestus der Linie wurde zur kalkulierten und kritischen Infragestellung von abstrakter Malerei. Christian Malycha bezeichnete dies als „manipulatives Markmaking“. Die kritische Haltung gegenüber reinem Gestus führte Strassburger zu einer analytischen Abstraktion, die, mit Hinweisen auf eine externe Erzählung versehen, das Bild über das Dargestellte hinaus auf eine narrativere Ebene hob. Der Künstler kommentiert: Gestische Malerei ist nur sexy in Kombination mit Jugendlichkeit.

In seinen neuen Werken rückt Strassburger diese zuvor nur angedeutete Erzählung in den Mittelpunkt, indem er sein Alter Ego ALPHAKENNY einführt. Der Name dieses Alter Egos entstand aus einem anekdotischen Missverständnis heraus: In einem New Yorker Starbucks wurde sein Vorname fälschlicherweise als Kenny auf den zu befüllenden Kaffeebecher geschrieben. In Kombination mit dem Präfix Alpha-, was sowohl ironisch auf das Alphatier referiert, wie auch auf die Beleidigung Alphakevin - die den Loser auf dem Schulhof meint -, entsteht der Atelier-Doppelgänger ALPHAKENNY. Die Kombination von Macho und Verlierer ermöglicht Identifikation wie auch kritische Selbstreflektion.

Dies verdeutlicht Strassburger, indem er dem Alter Ego malerisch Gegenstände in die Hand legt, die ihm im Alltag begegnen oder eine persönliche Bedeutung für ihn haben. So hält ALPHAKENNY in Happy Meissner Porzellan (2024) eine Tasse mit den berühmten blauen gekreuzten Schwertern aus Meissen, der Geburtsstadt des Künstlers. Es tauchen auch rote und grüne Kakteen auf, die er auf Reisen gezeichnet hat, ein Flugzeugfenster von Virgin Airlines mit Sonnenuntergang auf dem Weg nach Los Angeles in Happy Virgin Air (2024), oder der Maiskolben in Happy Corn Trophy (2024), wie er massenweise auf den Feldern hinter seinem Zweitatelier in der Eifel wächst. Auch der Maler erscheint als Motiv in verschiedenen Bildern wie The Happy Painter (2024), El Pintor feliz (2023), Happy Brushstrokes (2024) und Happy Palette (2024).

Die Komposition der neuen Bilder erinnert an Spielkarten, auf denen Figur und Gegenstand jeweils entlang der Mittellinie gespiegelt sind. Das Motiv steht dabei teilweise Kopf, wie man es von Bildern des Malers Georg Baselitz kennt. Dieser hat sich in seinem Zyklus der Heldenbilder aus den 1960er-Jahren kritisch an den vermeintlichen Vorbildern seiner Kindheit und Jugend abgearbeitet und später als ultimative Geste die Figur auf den Kopf gestellt. Wie Baselitz zeigt Strassburger im eigentlichen Sinne Antihelden. Die verschiedenen Inkarnationen des ALPHAKENNY sind im Titel jeweils mit dem Wort „Happy“ versehen, als könne Glück und Zufriedenheit beschworen oder sich erfolgreich eingeredet werden. Es handelt sich um mehrschichtige, kritische Selbstporträts, mit denen Strassburger seine eigene Rolle als Künstler genauso hinterfragt wie die gewählte – und für ihn selbst nach wie vor neue – figurative Malweise.

In his new works, Strassburger focuses on this previously only insinuated narrative by introducing his alter ego ALPHAKENNY. The name of this alter ego arose from an anecdotal misunderstanding: In a New York Starbucks, his first name was mistakenly written as Kenny on the coffee cup waiting to be filled. In combination with the prefix Alpha-, which refers both ironically to the alpha leader and to the German insult ‘Alpha-Kevin’—referring to the loser in the schoolyard—the studio doppelganger ALPHAKENNY emerges. The combination of macho and loser facilitates identification as well as critical self-reflection.

Strassburger accentuates this by painting his alter ego holding objects encountered in everyday life or of personal significance to him. In Happy Meissner Porzellan (2024), for example, ALPHAKENNY holds a cup with the famous blue crossed swords from Meissen, the artist’s birthplace. Red and green cacti drawn while traveling also appear, as does a Virgin Airlines plane window with a sunset on the way to Los Angeles in Happy Virgin Air (2024), and the corn-on-the-cob in Happy Corn Trophy (2024), as it grows en masse in the fields behind his second studio in the Eifel region. The painter also appears as a motif in various pictures such as The Happy Painter (2024), El Pintor feliz (2023), Happy Brushstrokes (2024) and Happy Palette (2024).


The composition of the new paintings is reminiscent of playing cards, whereby the figure and object are mirrored along the central axis. The motif is thus sometimes upside down, as is familiar from paintings by Georg Baselitz. In his cycle of Heldenbilder (Hero Paintings) from the 1960s, the artist took a critical approach to the supposed role models of his childhood and youth—later turning the figure on its head as the ultimate gesture. Like Baselitz, Strassburger shows anti-heroes in the true sense of the word. The various incarnations of ALPHAKENNY are each given the word ‘Happy’ in the title, as if happiness and contentment could be summoned or successfully persuaded to exist. They are multi-layered, critical self-portraits in which Strassburger questions his own role as an artist as well as his chosen—and for himself still new—figurative painting style.

About Henning Strassburger

Berlin based artist Henning Strassburger (*1983) explores the position of manual painting in today's digitally overloaded society.

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