Andi Fischer
ER DACHTE ALLES 3

16. Nov. 2019 – 11. Jan. 2020
Sies + Höke, Düsseldorf

Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Oilstick on canvas, artist's frame
264,4 x 213,6 cm
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Oilstick on wood
42 x 5,5 x 13,7 cm
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Oilstick on wood
26,5 x 7,3 x 22,5 cm
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Oilstick on wood
42 x 27 x 27 cm
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Simon Vogel
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Oilstick on canvas, artist's frame
174 x 303 cm
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf
Oilstick on canvas and artist's frame
170 x 140 cm
173 x 142,5 cm (framed)
Copyright the artist; Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Achim Kukulies, Düsseldorf

In seiner ersten Einzelausstellung bei Sies + Höke zeigt der in Berlin lebende Künstler Andi Fischer großformatige Malereien, Zeichnungen und Skulpturen.

Im Mittelpunkt von Fischers Arbeiten stehen die Abhandlung, Untersuchung und Neubewertung einer allgemeinen Kunstgeschichte, insbesondere von klassisch mythologischen und historischen Gemälden und Szenen. Der Maler unternimmt den Versuch, durch die bewusste Dekonstruktion der Kunst alter Meister wie Albrecht Dürer und Peter Paul Rubens einen neuen Betrachtungszugang zu diesem Sujet zu finden. Anhand der erneuten Zusammensetzung des Gemäldes an sich, seiner Tradition und Überlieferung entfaltet sich eine neue konnotative Freiheit. Diese Auffächerung in Fischers Gemälden erlaubt eine Umorientierung im Betrachten von festgeschriebenen Werkaussagen und tradierter Geschichtsschreibung, die auf den Ebenen von Erscheinung und Deutung ein eigenes Verständnis mit zwangloser Bewertung ermöglicht. Fischers künstlerische Praxis behandelt Zeichnung und Malerei gleich und kritisiert damit althergebrachte, kunsthistorische Hierarchien.
Indem Fischer verschiedene Modi des Museumsdisplays durchspielt und überspitzt, etwa in Form von abgetönten Wänden, selbstgebauten Rahmen und Museumsbänken, erweitert er seine Befragung kunstgeschichtlicher Methoden um die Institutionskritik und liefert einen Kommentar zum künstlerischen Perfektionismus gleich mit.

Für seine Ausstellung Er dachte alles 3 hat sich Andi Fischer mit der Infragestellung von Tradition und daraus resultierend mit dem Motiv der Jagd auseinandergesetzt.

Eine Mehrzahl der Werke in der Ausstellung sind - nebst seiner bereits erwähnten Rückbezüge auf Albrecht Dürer (1471–1528) - konkrete Anlehnungen an die Werke Peter Paul Rubens (1577–1640). Fischer zeigt in seinen Zeichnungen und Malereien eine gedankliche Weiterführung und überträgt barocke Anspielungen auf die italienische Renaissance bis in unsere Gegenwart. Rubens Bilder erzählen von Mythen, Heldentaten und Kämpfen. Sie lassen eine Bildsprache entstehen, die durch Licht und Farbigkeit eine spezifische Stellungnahme des Künstlers in sich trägt, der sich bereits selbst bei kunsttheoretischen Diskursen vergangener Jahrhunderts bediente, die er intensiv studierte. Andi Fischer greift beide Eigenschaften auf, die theoretische Grundlage und Rubens Malerduktus. So arbeitet der junge Künstler gleichzeitig mit und gegen die scheinbare Exklusivität jener berühmten, historischen Gattung, der sogenannten Historienmalerei. Fischer widersetzt sich der inhaltlichen Voraussetzung, die eine Deutung des mythologischen Historienbildes vorzugeben scheint, indem er das Dargestellte weitgehend auflöst. Nur die Bestandteile, die für das eigene Verständnis des Bildes wichtig erscheinen, werden in seiner eigenen, stark reduzierten Bildsprache übernommen.

Rubens Ausgestaltung des Prometheus (1618) liegt eine enorme künstlerische Freiheit zugrunde, die den Halbgott als Helden erscheinen lässt. In AAA LEBER SCHMERZT (2019), dekonstruiert er die Mythologie, indem er sie auf Adler, Figur und Leber reduziert. Fischer nimmt durch seine scheinbar naive malerische Praxis bewusst Bezug auf die patriarchalischen Strukturen historischer Darstellungen und ihre intellektuellen Ansprüche an den Betrachter. So behält er die grundlegende Farbgebung des Peter Paul Rubens bei: Prometheus ist auch hier auf seinem blauen Mantel - als liegende Figur - inszeniert, während der Adler in dunklem Braun und Schwarz dargestellt ist. Er entzieht sich aber durch die Reduktion von jeglichem Lichteinfall auf eine Deutung der einzelnen Figuren.

Ein weiteres Thema des Malers ist die Darstellung von teils absurd anmutenden Traditionen, wie der Verherrlichung der Jagd oder dem Kampf zwischen Mensch und Tier. Die Jagd, als Symbol für historischen Pathos, wird bei ihm zu einem Zirkus, in dem Jäger und Gejagter auf der Leinwand gleichermaßen animalisch erscheinen. In den dargestellten Jagdszenen erhalten die Jäger durch das Reduzierte ihrer Gesten Eigenschaften, die sonst einem Zirkustier zukämen, wie zum Beispiel Hilflosigkeit und Dressurposen.
Andi Fischer schafft mit dieser vermeintlichen Simplizität ein neues Verständnis und eine originelle Perspektive auf klassisch kunsthistorische Topoi und entwickelt diese zugleich weiter für die zeitgenössische Kunst.

Text von Marlene A. Schenk

About Andi Fischer

Andi Fischer is a Berlin-based artist who creates energetic paintings and drawings that simulate a child-like naiveté while being informed by art history.

Artworks

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