Neal Tait
15. November 2008 – 12. Dezember 2008
Eröffnung: Freitag, 14. November 19 – 22 Uhr

The ideal painting is continually open. (Neal Tait)

Neal Tait erzählt nicht, er deutet an.
In seiner Malerei ist die Gewissheit so ungewiss wie der Vorstellungsraum unendlich. In der Beschäftigung mit Übergängen und Zwischenräumen versteht er es konsequent, sich – in jeder Hinsicht – nicht festzulegen.

Seine Bilder verbindet eine gedeckte Farbpalette aus Erd- und Pastelltönen auf verhältnismäßig kleinem Format, das sie wie Kabinettstücke erscheinen lässt. Die meisten Porträts sind verschwommen bis gesichtslos und entziehen sich einer näheren Identifizierung. Die Physiognomien scheinen wie wegradiert oder verblichen, die Augen sind oft übermalt. Stattdessen treten wenige Details hervor: Ein blassroter Mund, leicht geöffnet. Gesten wie ein ausgestreckter Arm oder ein angelehnter Rücken. Niedergeschlagene Augenlider, die mehr in sich hinein als in die Welt hinaus sehen.
Die klassischen Genre Porträt, Stilleben und Landschaft gehen bei Tait Symbiosen ein und der Übergang zwischen Abstraktion und Figuration ist fließend. So kann eine Bergformation aus wenigen farblich abgesetzten Pinselstrichen oder aber einer Ansammlung von Körperteilen bestehen. Auflösungen und Defigurationen gehen so weit, dass sich Personen zu Stillleben oder Gesichtszüge zu Landschaften verwandeln. Ein Kopf wird zur Büste und ein Körper zum Kegel – Transformationen, die an die Pittura metafisica denken lassen. Neal Taits gemalte Collagen lösen gewohnte Zusammenhänge auf und setzen ihre Bestandteile neu zusammen. Die für jede Metamorphose notwendige Defragmentierung bleibt dabei nicht selten sichtbar: rumpflose Köpfe, kopflose Rümpfe, sich auflösende Gegenstände, und seltsam unbelebte Tierleiber zeugen von hinterlassenen Wunden, deren Auslöser unsichtbar bleibt. Eine sensible Schönheit, Anmut aber auch Verletzlichkeit liegt in den Bildern, die so wirken, als läge der Schleier der Vergessenheit auf ihnen. Nichts ist logisch, alles erscheint verdichtet und surreal – Tait malt, wie wir träumen.
Der Künstler verwendet als Vorlagen gefundene oder eigene Fotografien, persönliche Erlebnisse oder Zeitungsberichte – Relikte also, die bereits eine eigene Geschichte und den Geist des Vergangenen in sich tragen. Zeit, Kontemplation und Erinnerung spielen eine wichtige Rolle in seinen Werken, an deren Herstellung er oft sehr lange und konzentriert arbeitet und die Luc Tuymans, Michaël Borremans oder auch Marlene Dumas sehr nahe kommen. Die Ergebnisse wirken mehr allein gelassen als fertig gestellt und verweisen dabei symbolhaft auf das Leben selbst, das mehr Rätsel als Lösungen anbietet und in dem eine neue Sicht auf die Dinge manchmal weiterführt als alte Gewohnheiten.

Carla Orthen.