Michael van Ofen

16. November 2007 – 11. Januar 2008

Michael van Ofen entdeckte für sich die Malerei in einer Zeit, als ihr Tod mehrfach heraufbeschworen wurde, jedoch nie wirklich eintrat. Mit Porträts, Stillleben, Blumen, Interieurs und Landschaften entscheidet er sich bewusst für Sujets, die in der Moderne vorwiegend abgelehnt wurden. Zugleich entziehen sich seine auf wenige Pinselstriche reduzierten Ölbilder den aktuell gefeierten surreal-verdichteten Figurationen einer Neuen Leipziger Schule ebenso wie vergleichbaren Erzeugnissen jüngster Malergenerationen.

Van Ofen findet seine Quellen im 19. Jahrhundert: Neben Altmeistern wie Frans Hals und Jacques Louis David dienen ihm vor allem historische Gemälde weniger bekannter Maler als Vorlage, die er in präzise ausgewogenen Kompositionen verdichtet und neu zusammensetzt.

Für van Ofen bedeutet das Erzeugen eines Bildes ein sorgfältiges, unermüdliches Durchdeklinieren des Malvorgangs an sich: Eine präzise, feinfühlige Abstimmung der Pinselführung, Farbnuancierung und Lichtsetzung. Die fortschreitende Analyse und Auflösung desselben Motivs in mehreren Bildern dienen ihm dazu, die ganze Palette malerischer Möglichkeiten zu erproben und zu pointieren.

Im Laufe des Malens verlieren sich die figurativen Anhaltspunkte mehr und mehr zugunsten einer Visualisierung einzelner Pinselstriche. Oft erinnert allein ein horizontal geschwungener Farbstreifen an eine Landschaft, ein mit wenigen Diagonalen versehenes Oval vervollständigt sich zu einem Brustbild. Erstaunlich dabei ist, wie sehr dabei die Beschränkung auf nur wenige Farbtöne dennoch Raumtiefe und Atmosphäre schafft, den Betrachter in eine melancholische oder geheimnisvolle Stimmung versetzt.

Im Schwebezustand zwischen Abstraktion und Figuration entledigen sich manche Farbpartien ihrer Funktion, etwas Bestimmtes abzubilden. Und doch bleibt besonders bei Betrachtung aus genügender Entfernung die Ahnung einer Situation, Atmosphäre, eines Porträts oder bekannten Motivs. Bildnisse wie Landschaften wirken in ihrer Andeutung und Schlichtheit vertraut, wie einer kollektiven Erinnerung entsprungen. Sie deuten an, verraten jedoch nicht zuviel und bleiben dabei rätselhaft.

Das kollektive Gedächtnis heutzutage speist seine Bilderzeugnisse im Copy and Paste-Verfahren vor allem aus den digitalen Medien. Michael van Ofen erschafft mit malerischen Mitteln und unter Verwendung vorhandener Icons seine eigene Bildsprache, die persönliche wie allgemeingültige Erinnerungen und Verweise zulässt. Seine Malereien mögen entrückt erscheinen und zeugen umso mehr fern jeder Nostalgie von großer Nachhaltigkeit. Sie sind im besten Sinne nicht zeitgemäß, sondern zeitlos.

Carla Orthen