Mari Eastman

Sep 1st—Sep 30th, 2006
Sies + Höke, Düsseldorf

M. Eastman unten IV

Location

Sies + Höke
Poststraße 2+3
Düsseldorf

Featured Artists

  • Mari Eastman

Der Eindruck, den man beim ersten Blick von Mari Eastmans Malereien gewinnt, ist zunächst ein romantisch verklärter: vornehmlich Pastelltöne, leicht verschwommen, umschreiben Frauenporträts und sattgrüne bis mattweisse Landschaften, die von Narzissjünglingen, Pferden oder Kranichen belebt werden. Verspieltes Blumendekor, das Porzellanvasen schmückt oder sich selbst genügend über die Leinwand rankt. Über all dem ein Hauch von Glitter, der je nach Lichteinfall und Blickwinkel die Arbeiten aufschimmern lässt.

Schnell jedoch werfen sich auch Schatten auf: für Aftermath („Nachwirkung, schwere Zeit“) dienten der Künstlerin die Fotografien des britischen Fotojournalisten Tim Page als Vorlage, dessen Dokumentationen über den Vietnam-Krieg die weltweite Sicht auf den politischen Brennpunkt der 1960er Jahre in den Medien prägten. Eastman setzt ihren malerischen Fokus auf die schaurig-schöne Landschaft des Mekong-Deltas, während Soldaten wie Helikopter schemenhaft vor einem blassroten Sonnenuntergang verschwimmen.

Für viele der Arbeiten gaben Fotografien aus Magazinen oder Büchern, Erinnerungen wie Zeugnisse des gegenwärtigen Zeitgeschehens bis hin zum every-day-life den Anstoß. Für das klassisch anmutende Porträt Marie Antoinette, dessen Medallion-Form an Herrscherbildnisse des 18. Jahrhunderts erinnert, stand ein Filmplakat des Hollywood-Sternchens Kirsten Dunst Modell, die bald in der Rolle der französischen Königin in den Kinos zu sehen sein wird. Hier trifft Pomp auf Pop und die Klassik auf die Gegenwart. Eastmans Vorliebe für Tiere zeigt sich in Werken, in denen sie vor allem Hunden unter besonderer Würdigung ihrer Rasse (Irish Setter, Zwergspitze) gleichwertig mit Mensch und Natur ein Bildnis setzt. Das großformatige Porträt eines Habichts (Goshawk) spielt mit Anleihen vergangener Mythen (Falknerei, König Artus) und Bildtraditionen (Herrscherattribut, Staatssymbol), zeigt das symbolträchtige Tier in seiner ganzen Schönheit und Würde, zugleich aber auch in domestizierter Form. Auch die scheinbar wildwüchsige Natur zeigt immer wieder Anzeichen von Zivilisation und Künstlichkeit: In Greenhouse wird die tropische Pflanzenidylle von einem riesigen Glasdach überspannt und Cranes flying at Sunset gerät durch das runde Format und die neongrelle Farblichkeit mehr zur ironischen Abstraktion als zum romantischen Fernblick.

Die für das Medium der Malerei symptomatische Frage nach Verbildlichung wie Ver(ein/un)heitlichung von Oberfläche, Künstlichkeit, Schönheit und Wirklichkeit stellt sich im Zusammenhang mit ornamentalen Elementen und kunstgewerblichen Objekten (Tiger Vase, Vase with Birds). Hier treibt Mari Eastman ihre Vorliebe für Dekor wie pop-artigen Eklektizismus auf die Spitze, indem sie ein persisches Teppichmuster mit dem wohlklingenden Titel Fleur-de-lis versieht: “When concept art is he hard end of everything the applied arts are the soft end.”

Eastman verlässt das Terrain der traditionellen Ölmalerei gleich mehrfach: sie verwendet neben Acryl vor allem auf Vinyl basierende Sprühfarbe, die von der Leinwand absorbiert wird und pudrig-transparente, aquarellähnliche Oberflächen erzeugt. Der pointierte Auftrag von Glitter versetzt ihre Bildwelten in einen unwirklichen, traumähnlichen Zustand. Indem sie den Bildraum über die Leinwandgrenzen hinaus skizzenhaft auf der Wand des Ausstellungsraumes weiter fortsetzt, überschreitet sie die Gattungsgrenzen zwischen Malerei, Zeichnung und Installation. Zudem sind ihre Werke, zumindest anteilig, einmalig an den Galerieraum gebunden, damit nur für die Ausstellungsdauer präsent und nicht für die Ewigkeit gemacht.

Mari Eastman geht es um Schönheit, Sehnsüchte, Pop und Glamour. Nicht weniger geht es ihr um den Alltag und die Realität mit all ihren Facetten bis hin zu Themen wie Tod und Vergänglichkeit, die auch in der klassischen Romantik immer mitgedacht waren.

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