Jon Pylypchuk
23. März 2007 — 21. April 2007
„They were a bunch of outcast geeks thrown together by inclement weather and a love of drawing…“ (Robert Enright, ArtReview, 03/2006)
Jon Pylypchuk wurde aufgrund seiner verspielten, humorvoll-hintergründigen, ironischen bis bitterbösen Zeichnungen und Gemälde bekannt. Seine ersten Ausstellungen bestritt er mit Plastiktüten voller kleinformatiger Collagen, mit denen er in den monströsen Alltag allerlei seltsame Lebensformen aus Leim, Stoffresten und gezeichneten Elementen einführte und diese durch Textfragmente kommentierte.
Zusammen mit Marcel Dzama und anderen Freunden und Kollegen gründete er 1996 das Künstlerkollektiv Royal Art Lodge, um gemeinsam kreativ gegen das periphere Dasein in der Heimatstadt Winnipeg an den hier vorherrschenden kalten Wintertagen anzukämpfen. Man traf sich jeden Mittwoch Abend, um bis in die Morgenstunden hinein den Surrealisten gleich Gemeinschaftszeichnungen im Reihum-Verfahren zu produzieren. Die unfreiwillige Isolation brachte tausende Phantasie-Erzeugnisse voller Sprengkraft hervor. Der Kreativ-Pool der Royal Art Lodge erwies sich als Startschuss für die künstlerische Entwicklung der Teilnehmer, von denen jeder im Anschluss eigene Wege und Karrieren auf internationalem Terrain bestritt.
Nach seinem Standortwechsel nach Los Angeles erweiterte Jon Pylypchuk sein zeichnerisches Repertoire um witzig-skurrile Trash-Skulpturen, die er bei Friedrich Petzel in New York, China Art Objects in LA und im Museum of Modern Art Cleveland ausstellte. Weitere Präsentationen folgten in den USA und in Europa, u.a. im Museum of Contemporary Art in Detroit, in der Alison Jacques Gallery (London) und bei Sies + Höke (Artforum Berlin 2006).
Pylypchuks Kreaturen aus Stoff- oder Fellwürsten, Haarpartikeln und Holzresten wirken animalisch, zeigen sich jedoch in ihren überzeichneten Charakterzügen und Verhaltensweisen schockierend menschlich. So treten seine „creature creations“ in Würstchengestalt auch als Akteure in Filmen auf, suchen sich in Dating-Shows ihre Partner (The Dating Game, 2006), kämpfen um den besten Sonnenplatz am FKK-Strand (Hey fuckface this is my nude beach, 2006) oder lassen sich in gebrechlichem Alter das Essen auf Rädern bringen (Meels on wheals, 2006).
Jon Pylypchuk entwirft mit unverkennbarer Handschrift einen Mikrokosmos unserer Gesellschaft, in dem neurotische, alberne, zynische, depressive, sexuell aufgeladene Freaks ihr Unwesen durch alle erdenklichen menschlichen Abgründe treiben, so dass dem Betrachter nur zu oft das Lachen im Halse stecken bleibt.
In der Ausstellung werden ganz neue Arbeiten von Jon Pylypchuk gezeigt, darunter Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen.