Filaturen
07. September 2007 — 13. August 2007
kuratiert von Bettina Klein
Die Sies+Höke Galerie freut sich, die von Bettina Klein kuratierte Gruppenausstellung Filaturen, in der neun internationale Künstlerpositionen in den Räumen der Poststrasse 2+3 gezeigt werden präsentieren zu können.
Ausgangspunkt für die Ausstellung ist die Materialität von Textilien und Geweben. Hierbei geht es einerseits um die stoffliche Präsenz des Materials, hervorgerufen durch Faltenwurf, Struktur und Reflexion von Licht, andererseits bezieht die Ausstellung auch den Produktionsprozeß und die Weiterverarbeitung von Textilien (Weben, Stricken, Nähen…), als an sich schon handwerklich oder industriell gefertigten Materialien mit ein.
In seinem Video Maille Atlantique dokumentiert Hervé Beurel die maschinellen Abläufe in einer bretonischen Strickfabrik. Die Kamera bleibt allerdings meistens fokussiert auf die sich allmählich abwickelnden Garnrollen, der Rhythmus des Films wird bestimmt durch Ton und Rhythmus der Maschinen.
Gyan Panchal verwendet vorwiegend industriell hergestellte, standardisierte Materialien, die er manuell weiterverarbeitet, wie etwa ein geflochtenes Gewebe aus Polyethylenbändern (FEPRC), oder aber, im umgekehrten Fall, traditionelle Fischernetze, die durch das Einfärben mit artifiziell konnotierten Farben aus ihrem Funktionszusammenhang gelöst werden. Panchal versucht, das unförmige Material unter Kontrolle zu bringen, indem er es bis zu seinen Grenzen aufspannt.
Kitty Kraus geht bei ihrer Bodenarbeit Ohne Titel, 2006 dekonstruktiv vor: ein aufgetrennter Anzug wird bis auf zwei geometrische Grundformen reduziert, so dass lediglich die stoffliche Präsenz noch einen Verweis auf die ursprüngliche Form liefert.
Nahezu entmaterialisiert erscheint dagegen die Fotografie einer weißen Fahne im Wind (Ohne Titel, 2007).
Einer sehr anderen fotografischen Strategie folgen die Fotogramme von Pierre Savatier: Stoffabschnitte mit verschiedenen Mustern und Strukturen werden in unterschiedlicher Intensität und Ausrichtung auf fotosensiblem Papier belichtet, so dass das fotografische Abbild eine fast hyperreale Präsenz erhält.
Draperie und Faltenwurf stellen in der Geschichte der Malerei eine Konstante dar, wenn es um die Demonstration von Virtuosität bei der Darstellung von Stofflichkeit geht. In Victor Mans kleinem Ölbild Male White Shirt wird der Faltenwurf, sonst ein Hintergrunddetail, zum zentralen Motiv.
Bei Sergej Jensens Arbeit The Last Hang Man, wird der Bildträger aus unterschiedlich gefärbten und miteinander vernähten Sackleinenstücken selbst zum Bild und erscheint aus einer gewissen Entfernung wie eine flächige Malerei.
Stoff ist, neben anderen Materialien wie Karton oder Styropor, auch in den Installationen von
Ian Kiaer eine wichtige gestalterische Komponente, zum einen als Malgrund, aber auch als skulpturales Element, in Form von gefalteten Stoffen, Vorhängen oder Decken.
Simon Denny kombiniert in seinen Installationen gefundene Materialien, wie häusliche Readymades, mit von ihm hergestellten Objekten und bringt diese in ein komplexes Balancegefüge. Der performative Akt ist den Objektkonstellationen dabei eingeschrieben, wie im Fall von Untitled (Blue Fish), einer Kombination von einem mittels elektrostatischer Aufladung an der Wand klebendem Plastikstoff mit einer am Boden liegenden Wolldecke.
Close 2, die Videoinstallation von Gert Robijns im Galerieraum in der Poststrasse 3, schafft durch die Projektion eines bewegten Vorhangs auf einen tatsächlich im Raum vorhandenen Vorhang und eine Tonspur mit Windgeräuschen einen autoreferentiellen Illusionsraum, der die visuelle und auditive Ebene in idealer Weise verbindet.
Die Galerie Michael Cosar in Düsseldorf zeigt parallel in einer Einzelausstellung von Gert Robijns die Videoinstallation Slalom.