Sep 12th—Nov 9th, 2008
Kunstverein Freiburg, Freiburg

F.Herrero 01

Installation view
Courtesy Kunstverein Freiburg, Freiburg
Photographer Achim Kukulies, Düsseldorf

Location

Kunstverein Freiburg
Freiburg

Featured Artists

Die kraftvollen großformatigen Gemälde des Costaricaners Federico Herrero (* San José, Costa Rica 1978) machen die Räume zwischen den Dingen sichtbar. Obwohl die kleinen, sich aneinanderschmiegenden und einfarbig gemalten Blöcke abstrakt erscheinen, stellen sie doch Herreros Reaktionen auf Begeben­heiten und Bilder dar, denen er in seinem Alltagsleben in Costa Rica oder auf seinen Reisen begegnet.

Als Inspirationsquellen dienen ihm die vielfältigen Straßen- und Hausbemalungen in Costa Rica, die nicht als Kunst definiert sind, sondern uns als unterschiedliche Art von bildlicher Kommunikation begegnen.Die Reichhaltigkeit in Herreros Werken wird dadurch erzeugt, dass Farben einen besonderen Charakter erlangen, der sich durch die Abgrenzung zu den anderen Farbfeldern definiert. Auf diese Weise kreiert der Künstler in einem einzigen Gemälde Zonen in unterschiedlichen Licht- und Modulationsrhythmen. Seine Konzentration auf Farbe geht zurück auf Experimente von Malern des frühen 20ten Jahrhunderts wie Josef Albers. Herrero macht sich die Offenheit der Abstraktion zunutze, d. h. ihr Potential für die individuelle Interpretation, die es zulässt, dass sich die Erfahrungen der Betrachter in dem Gemälde widerspiegeln. Gleichzeitig definiert er in seinen Gemälden eine Räumlichkeit, die in jedem einzelnen Bild eine Landschaft erzeugt.Herreros Kunstschaffen teilt sich zwischen den im Atelier auf Leinwänden angefertigten und den im Freien als Interventionen ins Stadtbild kreierten Gemälden.

Als Anfang 20jähriger, hängte Herrero kleine, auf gefundenen Holzstücke oder Leinwände gemalte Bilder an die Bäume in seiner Heimatstadt San José. Er war fasziniert von der Idee, die Bedeutung und Funktion seiner Umgebung durch die Einführung von Elementen zu verändern, die dort eigentlich nicht hingehörten und von Passanten weggenommen oder woandershin gebracht wurden. Dann begann er, direkt auf Mauern, Bürgersteige und Straßen selbst zu malen.

In jüngerer Vergangenheit hinterließ Herrero seine Spuren im Stadtbild von San José mit der Fertig­stellung nicht vollendeter Zebrastreifen und der Reparatur oder dem Verändern der Funktion von Straßenschildern. In Tokio bemalte er zwei öffentliche Busse und schuf damit Gemälde in Bewegung. Herrero erstellt zwar zahlreiche Fotografien und Zeichnungen, aber diese sind unabhängig von den Gemälden, die sowohl innerhalb als auch außerhalb des Studios intuitiv und spontan entstehen. Federico Herreros Praxis, die Grenzen zwischen Kunst und Leben zu verwischen, hat auch einen deutlichen Einfluss auf seine Ausstellungen in öffentlichen und privaten Galerien, bei denen er an den Gebäuden selbst seine Spuren hinterlässt, indem er einen Dialog zwischen architektonischen Elementen und künstlerischer Sprache inszeniert. Seine Arbeit ist inspiriert von der Bewegung, die 1960 begann und die durch die künstlerische Praxis von Künstlern wie Günther Förg und Katharina Grosse weitergeführt wurden.

Im Kunstverein Freiburg entstehen durch die Gemälde, die Federico Herrero auf den zweidimen­sionalen Flächen des dreidimensionalen Innenraums schuf, emotionsgeladene Räume, die sich grund­legend auf unsere Wahrnehmung der Architektur auswirken. Obwohl ihr Entstehungsprozess voll und ganz auf der Subjektivität des Künstlers beruht, sind die Betrachter von Herreros Wandgemälden inter­aktiv betroffen, als ob sie innerhalb eines Gemäldes wären, dass sie als sinnliche Erfahrung wahrnehmen. Die kleinen skizzenhaften Figuren, die hier und da hervorschauen, sind von Herrero als Alien- Figuren gedacht. Formal fügen sie eine wichtige Ebene hinzu: die dünnen Linien der Zeichnung agieren in einem andauernden Dialog mit den dicken Pinselstrichen der Farbe – Material der ‚hohen Kunst’ gegenüber gewöhnlichem Filzstift. Die Figuren sind wechselnd auffällig.

In Garden, 2008 zum Beispiel, rufen die delikat gezeichnete Formen Blumentöpfe, Blätter oder Samen in Erinnerung. Auf anderen Leinwänden, so wie Barco, 2008 oder Landscape with black stripes, 2008, treten die Figuren nur ein-zweimal auf. Trotzdem spielen sie eine genauso wichtige Rolle im Rhythmus der Komposition zwischen starker und filigraner Struktur, Farbe und Linie, mentaler Landschaft und cartoonartigem Humor.Eine ganz andere Art von Figuren präsentiert sich in den sechs Porträts, die im Kunstverein Freiburg erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden. Die Bilder sind keine Porträts im herkömmlichen Sinn, sondern eher Andeutungen von möglichen Bildnissen von Menschen, die existieren könnten. Direkt auf raue, unbehandelte Leinwand gemalt, erzeugt der Kontrast zwischen der stofflichen Leichtigkeit, der Ölfarbe und den Zeichenlinien eine fließende, offene Struktur.

Ein offensichtliches Merkmal von Herreros neuesten Arbeiten ist seine Vorliebe für leuchtende, manchmal sogar grellen Farben. Der Schwerpunkt von Barco ist das verführerische Fliederfarbene des Hintergrunds, von dem sich die gelben und roten Farbtöne leuchtend absetzen, während Blue Mountain, 2008 von der einfarbigen blassblauen Form beherrscht wird, das den intensiven gelben „Himmel“ beleuchtet bzw. belebt. Obwohl der Künstler mit den großformatigen ortsbezogenen Werken den Betrachtern oft den Eindruck verschafft hat, sie könnten innerhalb eines Gemäldes herumlaufen oder herumschwimmen, ist dies das erste Mal, dass er versucht hat, diesen Eindruck auf einer Leinwand entstehen zu lassen. Herreros Farbpalette hat sich in den letzten Jahren verändert, denn im Vergleich zu diesen eher synthetischen Farben, sind die im Jahr 2005 entstandenen Gemälde wie Untitled (7) und Landscape (Green), 2008 dunkler und gedämpfter. Ihre vergleichsweise Natürlichkeit wird durch die unebenen Konturen der farbigen Formen noch verstärkt, bei Landscape (Green) auch durch den relativ differenzierten, gesti­scheren Hintergrund.

Überraschenderweise ist Schwarz eine der wichtigsten Farben in Herreros Werk, dessen Hauptbedeutung für ihn sein ganz wörtlicher Bezug zur Idee von Dunkelheit ist. Er setzt diese Farbe ein, um Tiefe zu erzeugen und den anderen Farben Hintergrund zu geben, z. B. in Werken wie Landscape (Green), oder um zu verhindern, dass eine Komposition zu grell wird, wie in Blue Mountain. In Landscape with black stripes bildet Schwarz nicht nur den Hintergrund der oberen Leinwandhälfte, sondern führt auch in Form der eingekerbten schwarzen Streifen eine neue und komplexere Perspektive in die Arbeit ein. An der Stelle, wo die schwarzen Streifen beginnen, scheint sich das Gemälde von der flacheren Komposition darüber wegzubeugen und sich auf den Raum der Betrachter hinzubewegen. Für Herrero hat die Farbe auch eine symbolische Bedeutung; er beschreibt sie „wie das Denken an eine nächtliche Szene oder ein ‚Nocturne’, ein im Hintergrund erklingendes Klavierstück“.

Die kühne Extravaganz und immanente Leuchtkraft in Herreros Gemälden erzeugen eine wirkungs­ästhetische Ebene, der sich der Betrachter nicht zu entziehen vermag. Seine künstlerische Sprache ist nicht in Theorie begründet, sondern vielmehr in der Immanenz des Mediums, im grundlegenden Akt des Malens, der in dem Auftragen von Farbpigmenten auf Flächen besteht. Die innere Logik von Herreros Werken wird von formalen Entscheidungen regiert, die nie auto­nom sind, sondern Momente und flüchtige Eindrücke seiner unmittelbaren Umgebung widerspiegeln. In diesem Sinn sprechen seine Gemälde sowohl von der Welt als auch von sich selbst.

Federico Herrero hat im Jahr 2001 auf der Biennale von Venedig den Preis für junge Künstler gewonnen. Er hat sich an zahlreichen Biennalen und Gruppenausstellungen beteiligt und einige Einzelausstellungen präsentiert u. a. in Watari Museum for Contemporary Art, Tokyo (2005) und CCA Wattis Institute for Contemporary Arts, San Francisco (2008). Er ist von den folgenden Galerien vertreten: Sies + Höke Galerie, Düsseldorf, Gallery Koyanagi, Tokyo, Galeria Juana de Aizpuru, Madrid und Pablo Léon de la Barra, London. Die Präsentation in Kunstverein Freiburg ist seine erste umfangreiche Einzelausstellung in Europa.

© Kunstverein Freiburg

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